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Jungsteinzeitliches Gehöft in Winnenden-Hertmannsweiler

 

 

In Winnenden-Hertmannsweiler begann am 19. Februar 2018 die Flächengrabung im Bereich der Erweiterung des Gewerbegebietes „Schmiede‟. Diese Untersuchung des Areals wurde notwendig, da bereits bei früheren Ausgrabungen 2008 und 2009 eine Bestattung sowie Siedlungsreste des Mittelneolithikums entdeckt worden waren. Die Flächengrabung wurde, trotz der Witterung, die im Februar und März nochmals starken Frost und Schnee brachte, fristgerecht am 6. Juli 2018 beendet. In dieser Zeit konnte eine Reihe interessanter Aussagen getroffen werden, obwohl das untersuchte Areal über die Jahrzehnte stark landwirtschaftlich beansprucht und dadurch viele archäologische Befunde ganz oder teilweise zerstört worden waren.

Aufgedeckt wurde eine jungsteinzeitliche Hofstelle mit verschiedenen Gebäuden, Lehmentnahmegruben und Palisaden. Die Siedlung erstreckte sich mindestens über drei Besiedlungsphasen und verlagerte sich immer weiter Richtung Nordosten.

 

 

Besiedlungsphase 1

Für die erste Besiedlungsphase kann ein Haupthaus mit den dazugehörigen Lehmentnahmegruben nachgewiesen werden. Da der Lehm für die Lehm-Flecht-Wände des Hauses benötigt wurde, befinden sie sich in der Nähe des Gebäudes. Die Keramik datiert diese erste Besiedlungsphase in die Rössener Kultur (5000–4300 v. Chr.).

 

 

Besiedlungsphase 2

Nach ungefähr einer Generation bedurfte diese Art von Häusern vermutlich eine Erneuerung. Das neue Hauptgebäude wurde 30m nordöstlich des älteren errichtet. Das gesamte Gehöft wurde mit einer oder zwei rechteckigen Palisaden umgeben, insgesamt umschlossen diese 9600m². Sie dienten vermutlich weniger der Verteidigung als vielmehr der Einfriedung des Viehs, welches über Nacht zum Schutz in die Siedlung geholt wurde. Ob beide Palisaden gleichzeitig bestanden oder es zu einer Erweiterung kam, ist nicht geklärt. Innerhalb des Gehöfts fanden sich erneut Lehmentnahmegruben, aber auch Brenngruben für die Herstellung von Keramik sowie sog. länglich-schmale Schlitzgruben, die der Gerberei gedient haben könnten. Auch diese Phase datiert in die Rössener Kultur.

 

 

Besiedlungsphase 3

Unsere Untersuchungen konnten für die dritte Phase nur einen auf Pfosten stehenden Speicherbau sowie wiederum zwei Palisaden dokumentieren. Bei früheren Ausgrabungen durch das Landesamt für Denkmalpflege (LAD) waren jedoch bereits weitere Gebäudereste dokumentiert worden. Die Keramik deutet auf einen Übergangszeitraum von der Rössener Kultur zur Schwieberdinger und Schussenrieder Gruppe hin (4400‒4000 v. Chr.).

 

 

Eine Grabung des LAD, die ebenfalls 2018 stattfand, legt nahe, dass es noch weitere Besiedlungsphasen gegeben haben könnte. Unbekannt bleibt bis aufs erste auch, wo sich das zum Gehöft gehörende Gräberfeld befand.

 

 

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Luftbild der Fläche in Winnenden.

Lehmentnahmegrube für den Hausbau.

Palisadengraben mit Pfostengruben.

Dokumentationsarbeiten in Winnenden.

Arbeiten am Planum, in dem sich eine Grube abzeichnet.

Weiterführende Informationen und Pressestimmen