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Wir geben der Vergangenheit eine Zukunft

Ihr archäologischer Dienstleister für Baden-Württemberg

Einblicke in die neuzeitliche Heilbronner Stadtgeschichte

 

Die Weisenburger Bau GmbH möchte in Heilbronn neue Wohn- und Geschäftsgebäude in der Sülmerstraße errichten. Das Areal befindet sich im Bereich der seit dem 13. Jh. bebauten Altstadt. Eine Prospektion durch das Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg erbrachte verschiedene Siedlungsspuren aus dem  Mittelalter und der Neuzeit. Da zudem bisher nur wenige archäologische Spuren der Heilbronner Stadtgeschichte vorliegen, musste das 3500m² große Areal vor der Bebauung archäologisch untersucht werden. Dies geschah vom 02. Mai 2018 bis zum 16. November 2018.

 

 

Keller an Keller

Unter dem seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges bestehenden Parkplatz wurden insgesamt 20 (früh-)neuzeitliche Keller dokumentiert. Diese waren mit Kriegsschutt zwecks der Aufplanierung für den Parkplatz verfüllt. Durch diese Vermischung der Funde konnte keine genaue Datierung der Keller vorgenommen werden. Aufgrund ihrer Bauweisen lassen sich sich aber in die (Frühe) Neuzeit einordnen. Umbauspuren zeigen häufige Veränderungen der Keller. In vielen der Keller war Feuchtigkeit wohl ein großes Problem. Die Fußböden weisen u. a. Ablaufrinnen auf. Außerdem konnte in zwei Kellern eine Erhöhung des Fußbodens nachgewiesen werden mit einer dazwischenliegenden Drainageschicht.

 

Einige der Keller waren durch Fluchttunnel aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges miteinander verbunden. Einer der zentral liegenden Keller wies gleich drei Zugänge solcher Tunnel auf. Die Tunnel waren teilweise mit Holz verkleidet und relativ niedrig.

 

 

Aus der Zeit der Stadterweiterung

In den ungestörten Bereichen zwischen den Kellern konnten spätmittelalterliche Befunde und Funde gesichert werden. So fanden sich u. a. Wege und Gruben, die durch das Fundmaterial in das 14. und 15. Jh. datieren. Somit fallen diese Befunde in eine Zeit kurz nach der Stadterweiterung, die sich durch schriftliche Quellen in die zweite Hälfte des 13. Jhs. einordnen lässt.

 

 

Vom mittelalterlichen Kinderskelett zur Urnenbestattung

Ein überraschender Befund kam unter einem spätmittelalterlichen Mauerzug zum Vorschein. Hier konnten Knochen eines Kindes geborgen werden. Aufgrund der Lage hielt man diese zunächst für eine mittelalterliche Kinderbestattung. Da die Knochen sehr klein und porös waren, entschied man sich für eine Blockbergung, die im Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg genauer untersucht wurde. Erst hier zeigte sich, dass es sich um eine Urnenbestattung eines Kindes handelte. Die genaue zeitliche Einordnung bleibt aufgrund der untypischen Keramik noch abzuwarten.

 

 

Trotz der Schwierigkeiten die eine Stadtkerngrabung dieser Größe mit sich bringt, wie z. B. wenig Lagerplatz für Abraum und Bürocontainer, vorsichtiges Vorgehen aufgrund möglicher Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg und moderner Kanäle und Leitungen sowie komplizierter Schichtverläufe, konnten die Arbeiten fristgerecht abgeschlossen werden. Durch den erstmaligen archäologischen Nachweis von Fluchttunneln im Heilbronner Raum wird deutlich, dass die Archäologie auch für die neueste Geschichte noch wichtige Erkenntnisse liefern kann.

 

 

 

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Luftbild des Grabungsareals in Heilbronn mit (früh-)neuzeitlichen Kellern

Grabungs- und Dokumentationsarbeiten in Heilbronn

Blockbergung der Urnenbestattung

Weiterführende Informationen und Pressestimmen

  • Artikel auf stimme.de (07.09.2018)
  • Beitrag bei SWR Aktuell Baden-Württemberg (12.07.2018)
  • Artikel auf stimme.de (26.06.2018)
  • S. Berger ‒ E. Reus ‒ J. Scheschkewitz ‒ A. Schürger, Von Keller zu Keller ‒ Einblick in ein dicht besiedeltes Stadtquartier in Heilbronn. In: Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg 2018 (Darmstadt 2019) 280‒283.
  • Plakat 1 und Plakat 2 zur Ausgrabung