ArchaeoBW GmbH - Ihr archaeologischer Dienstleister für Baden-Wuerttemberg ArchaeoBW GmbH - Ihr archaeologischer Dienstleister für Baden-Wuerttemberg

Wir geben der Vergangenheit eine Zukunft

Ihr archäologischer Dienstleister für Baden-Württemberg

Bestattungen innerhalb einer frühkeltischen Siedlung in Remseck a. Neckar

 

Die Gemeinde Remseck erstreckt sich über ein seit der Steinzeit beliebtes Siedlungsgebiet. So wundert es nicht, dass auch im Gewerbegebiet Rainwiesen in Remseck-Neckargröningen immer wieder Spuren der Vergangenheit auftauchen. Bereits in den 1970er Jahren wurden hier Überreste einer jungsteinzeitlichen und frühkeltischen Siedlung gefunden. Daher musste im Vorfeld der Erweiterung des Gewerbegebiets ein ca. 1ha großes Areal archäologisch untersucht werden. Die Ausgrabungen fanden zwischen dem 10.07. und 01.12.2017 statt und konnten, trotz vieler Überraschungen, im geplanten Zeitraum beendet werden.

 

 

Eine frühkeltische Siedlung

Die durch Ackerbau und Hanglage verursachte Erosion der Lössböden führte dazu, dass das Bodendenkmal immer weiter zerstört wurde. Erhalten blieben hier überwiegend die tiefergreifenden Vorrats- und Materialentnahmegruben. Sie können einzelnen Hofstellen einer frühkeltischen Siedlung zugeordnet werden. Nach ihrer ursprünglichen Nutzung wurden die Gruben häufig mit dem Abfall der Siedlung verfüllt: Reste zerbrochener Keramikgefäße, Speiseabfälle sowie Eisen- und Schlackereste vermitteln uns dadurch ein Bild vom Leben in der Siedlung.

 

Auch die typischen, umgedreht kegelförmigen Gruben zur Getreidelagerung fanden sich. Kurz vor Ende der archäologischen Maßnahme wartete dann in einer dieser Gruben eine Überraschung auf die Ausgräber: drei Skelette.

 

 

Dreifachbestattung in einer Vorratsgrube

Bei den Skeletten handelt es sich um die Überreste einer Frau und eines Kindes, die unter dem Skelett eines ca. 30–40 Jahre alten Mannes geborgen werden konnten. Die Spuren deuten darauf hin, dass sie gleichzeitig bestattet wurden. Unklar bleibt die Beziehung zwischen den dreien sowie die Todesursache. An den Knochen konnten keine tödlichen Verletzungen festgestellt werden. Auch die Art der Bestattung ist unüblich, da man die Toten um 500 v. Chr. meist nicht innerhalb der Siedlung bestattete, sondern normalerweise unter Grabhügeln außerhalb des Wohnareals. Ebenso auffällig ist die Grablegung. Die 25–30 Jahre alte Frau lag auf der rechten Seite, als ob sie schliefe, während das ca. 12 Jahre alte Kind ihr entgegengesetzt lag, mit den Armen über dem Brustbereich der Frau. Die Körperhaltung des Mannes weist Ähnlichkeiten zu anderen siedlungsinternen Bestattungen auf. So versuchte man vielleicht durch die Kreuzung der Beine den Mann daran zu hindern, als Wiedergänger von den Toten zurückzukehren. Diese Dreichfachbestattung wirft viele Fragen auf, die zumindest teilweise erst durch eine genauere Untersuchung geklärt werden können.

 

 

 

<< zurück zur Übersicht

Luftbild der Grabung in Remseck-Neckargröningen

Skelett eines 30‒40 Jahre alten Mannes

Skelett eines Kindes mit darunterliegendem Skelett einer Frau

Weiterführende Informationen und Pressestimmen

  • Artikel in der Ludwigsburger Kreiszeitung (09.01.2018)
  • Bericht in den Stuttgarter Nachrichten (22.01.2018)
  • Ch. Bollacher ‒ G. Duranthon ‒ V. Palmowski, Tot unter den Lebenden ‒ Siedlungsbestattungen der älteren Eisenzeit in den „Rainwiesen‟ bei Remseck-Neckargröningen. In: Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg 2017 (Darmstadt 2018) 136‒138.