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Spätbronzezeitliche Siedlung anstatt alamannischer Gräber in Altbach, Losburg

 

In Altbach (Landkreis Esslingen) soll im Gewann Losburg auf einer Fläche von ca. 1,5ha ein Neubaugebiet entstehen. Da bereits seit dem 19. Jh. bei Baumaßnahmen im Umfeld immer wieder Hinterlassenschaften einer früheren Besiedlung zutage getreten waren, musste das Baugebiet archäologisch untersucht werden. Die früheren Baumaßnahmen erbrachten Überreste eines merowingerzeitlichen Gräberfeldes sowie Reste einer römischen Siedlung. Da die jeweilige Ausdehnung unbekannt ist, wurden im August 2016 Prospektionsarbeiten durch das Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg durchgeführt, die wiederum Hinweise auf eine spätbronzezeitliche Besiedlung lieferten. Diese Ergebnisse führten dazu, dass vor Baubeginn eine Rettungsgrabung durchgeführt werden musste. Die Arbeiten erfolgten vom 02.05.2017 bis zum 01.12.2017 in drei Abschnitten. Erschwert wurde die Ausgrabung durch eine leichte Hanglage zum Neckar. So musste zunächst die 0,4–0,9m starke Schwemmschicht abgetragen werden. Außerdem waren die Befunde in der Regel schwer vom anstehenden Boden zu unterscheiden. Deshalb wurden einige Flächen am Computer mit dem dStretch-Verfahren bearbeitet, welches Befunde besser erkennbar macht.

 

 

Spätbronzezeitliche Siedlung

Die Mehrzahl der ca. 500 aufgedeckten archäologischen Spuren lässt sich den Resten einer spätbronzezeitlichen Besiedlung zuordnen. Die überwiegende Zahl der Befunde sind Pfostengruben. Diese ergeben mehrere Hausgrundrisse, welche zu gehöftartigen Anlagen aus der Zeit um die Wende vom 2. zum 1. vorchristlichen Jahrtausend gehörten. In der Nähe eines möglichen Gebäudes fanden sich die Reste einer als Pflasterung angesprochenen Struktur. Interessanterweise ist das dazugehörige Gebäude leicht versetzt orientiert. Der Grund hierfür ist nicht bekannt. Nach Süden hin scheint die Siedlungsgrenze erreicht worden zu sein.

 

 

Ofenreste

Des Weiteren wurden vier etwa gleichgroße, rechteckige Öfen gefunden, die verziegelte Ränder sowie eine flächige Lage aus Sandsteinen mit darunterliegender Holzkohleschicht aufweisen. Sie liegen nahe beieinander und sind gleich orientiert. Eine genaue Datierung fällt mangels Funden schwer. Nur ein etwas entfernt liegender, ähnlicher Ofen brachte u. a. Keramikscherben der Bronzezeit hervor. Die Öfen weisen jedoch Ähnlichkeiten zu weiteren Ofenbefunden der Metallzeiten auf. Wahrscheinlich wurden diese Gruben zum Erhitzen bzw. Garen von Fleischstücken genutzt, die für häusliche Herdstellen zu großen waren. Das Fehlen von Gefäßresten, Keramikscherben oder Ähnlichem macht eine Deutung im Bereich der Bestattung und Totenverbrennung eher unwahrscheinlich.

 

 

Fundmaterial

Hilfreich bei der Datierung der Siedlungsbefunde war die Keramik, die im Großteil der Befunde vertreten war. Unter dem Fundmaterial fällt insbesondere ein großer Fischwirbel auf, der vielleicht als Schmuck gedient haben könnte. Auch interessant sind Schlackereste und eine bronzene Nadel aus dem etwas abseits liegenden Ofen sowie eine Pfeilspitze aus Bronze.

 

 

 

Die Arbeiten konnten trotz der teilweise schlechten Bodenverhältnisse fristgerecht abgeschlossen werden. Außerdem sind die Befunde aus Altbach für die Wissenschaft von besonderem Interesse, stellt doch eine nahezu flächig dokumentierte Siedlung aus der Zeit um 1000 v. Chr. in Südwestdeutschland eine Seltenheit dar. Somit gewährt diese Rettungsgrabung neue Einblicke in die Lebens- und Wirtschaftsweise am Ende der Bronzezeit.

 

 

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Profilarbeiten

Sandsteinschicht einer der Öfen

Beispiel des dStretch-Verfahrens. Dunkel gefärbte Bereiche können archäologische Befunde darstellen

Luftbildaufnahme der Fläche in Altbach

Weiterführende Informationen und Pressestimmen

  • Fernsehbeitrag im Neckar Fernsehen (18.07.2017)
  • Bericht in der Eßlinger Zeitung (19.07.2017)
  • Pressemitteilung des Landesamtes für Denkmalpflege Baden-Württemberg (05.12.2017)
  • S. Barthel ‒ J. Bofinger ‒ S. Steffen, Eine neu entdeckte urnenfelderzeitliche Siedlung im Neckartal bei Altbach. In: Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg 2017 (Darmstadt 2018) 106‒109.