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Wir geben der Vergangenheit eine Zukunft

Stadtkerngrabung in Radolfzell am Bodensee

 

 

Auftrag

Die Gnädinger&Mayer Wohnbau und Immobilien GmbH plante am Rande der Altstadt Radolfzells den Neubau von Wohn- und Geschäftsgebäuden mit einer Tiefgarage auf einer Fläche von 2000m². Aus historischen Skizzen sowie von früheren Grabungen war bereits bekannt, dass sich hier einst eines der Stadttore mit einer vorgelagerten Bastion sowie das Gerberviertel befanden. Auch aufgrund der Lage direkt vor der mittelalterlichen Stadtmauer musste die Fläche zunächst archäologisch untersucht werden. Den Auftrag dazu erteilte der Investor der ArchaeoBW GmbH. Auf dem Grundstück befand sich noch ein ehemaliger Gasthof, in dem noch Reste des Tores verbaut waren. Da diese Mauern zunächst denkmalpflegerisch begutachtet werden mussten, verzögerte sich der Abriss. Aus diesem Grund wurden die archäologischen Arbeiten in zwei Maßnahmen geteilt. Vom 19. Juni 2017 bis zum 27. Oktober 2017 wurde die unbebaute Fläche untersucht. Vom 05. März 2018 bis zum 27. April 2018 folgte die Fläche unterhalb des nun abgerissenen Gasthofes.

 

 

Durchführung

Innerhalb der Grabungsmaßnahmen konnten Spuren aus der Zeit der ersten Erwähnung Radolfzells (930 n. Chr.) in Form von Grubenhäusern und Pfostenlöchern dokumentiert werden. Aber auch die Frühe Neuzeit mit der Bastion und dem Stadttor haben sich auf dem Grundstück erhalten. Besonders die frühen Spuren stellten eine positive Überraschung dar, schließlich waren aus dieser Zeit bisher wenige archäologische Zeugnisse gesichert und man vermutete die Ansiedlung eher innerhalb der Grenzen des heutigen Altstadtbereichs. Auch die Geschichte der Wehranlage konnte durch die Grabung nachvollzogen werden und zeigte u. a. eine ständige Erweiterung und Verlegung des Stadtgrabens bis zu seiner Zuschüttung im 19./20. Jh. Weiterhin wurde der Wandel von einer hölzernen Stützwand für den vorgelagerten Wall hin zu einer steinernen Stützmauer deutlich.

 

 

Abschluss

Während der Grabungsarbeiten ergaben sich immer wieder Probleme. Die Nähe zum Bodensee sorgte für häufig überschwemmte Bereiche, die leergepumpt werden mussten. Dies erwies sich teilweise als problematisch, da der Grund durch eine frühere Tankstelle stark verunreinigt war. Auch der Abriss des Gasthofes verzögerte sich bis in den späten Winter, sodass dieser Teil des Grabungsareals erst im Frühjahr untersucht werden konnte. Diese Stadtkerngrabung zeigt außerdem sehr anschaulich, dass sich auch innerhalb der Stadt noch Spuren der letzten 1000 Jahre erhalten können. Nichtsdestotrotz lief die Zusammenarbeit vor Ort sehr gut, auch dank der mit den Aushubarbeiten beauftragten Firma.

 

 

 

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Hochmittelalterlicher Ackerboden im Profil

Grubenkomplex in der Fläche

Reste eines Grubenhauses mit Herdstelle

Weiterführende Informationen und Pressestimmen

  • Informationen zur Bebauung des Schützen-Areals (18.02.2016)
  • Bericht im Südkurier (01.09.2017)
  • Bericht im Südkurier (16.03.2018)
  • W. Griebel ‒ B. Jenisch ‒ Th. Küntzel ‒ P.Sikora, „Glücksklee‟ in der karolingerzeitlichen Grube ‒ Archäologie vor den Toren von Radolfzell. In: Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg 2017 (Darmstadt 2018) 246‒250.
  • Th. Küntzel ‒ B. Jenisch ‒ S. Berger, Mittelalterliche und frühneuzeitliche Stadtbefestigung am Untertor in Radolfzell. In: Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg 2018 (Darmstadt 2019) 278‒279.